Tango: Das Stehaufmännchen der Bundesliga
Die Ausgangslage: Totgesagte leben länger
Die Saison von Tango glich lange Zeit einer sportlichen Tragödie: Zehn Niederlagen am Stück zum Auftakt ließen kaum noch Hoffnung auf den Klassenerhalt zu. Doch pünktlich zum Saisonende bewiesen die Wiener Nehmerqualitäten. Nach dem ersten Befreiungsschlag gegen Liberta Legion (6:5) blieb man zuletzt vier Spiele in Folge ungeschlagen. Dass man überhaupt in der Relegation steht, verdankt man allerdings auch einer gehörigen Portion Glück – oder besser gesagt: dem „grünen Tisch“. Ein Aufstellungsfehler des Gegners Podrinje verwandelte eine herbe 2:13-Klatsche in einen 6:0-Sieg für Tango und sicherte so den Einzug in die Entscheidungsspiele.
Die Schlüsselspieler: Stabilität im personellen Chaos
Es ist fast ein Kunststück, bei Tango von einer Mannschaft zu sprechen: Unglaubliche 35 verschiedene Spieler kamen in nur 16 Partien zum Einsatz. In diesem ständigen Kommen und Gehen stechen jedoch zwei Konstanten heraus:
- Hussein Bazzi: Mit 12 Treffern in 13 Einsätzen ist er die Lebensversicherung in der Offensive.
- Die Routiniers: Mit Dilber Aujla und Patrick Neureiter verfügt Tango über erfahrene Bundesliga-Haudegen, die dem Team die nötige Ruhe geben, wenn es auf dem Parkett hektisch wird.
Stärken: Erfahrung trifft auf Winter-Shopping
Trotz der hohen Fluktuation hat Tango einen Kern (Thaler, Bazzi, Milosevic, Aujla), der die Bundesliga-Härte kennt. Die größte Hoffnung ruht jedoch auf den Winter-Transfers. Tango nutzte die Gunst der Stunde und bediente sich großzügig beim Absteiger Liberta Legion: Mit Lalic, Bodul und Sudar sowie Alexander Jovanovic (von Stella Rossa) hat man Qualität dazugeholt, die normalerweise nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben sollte. Wenn diese Neuzugänge zünden, ist Tango ein extrem unangenehmer Gegner.
Schwächen: Die Schießbude der Liga
Die nackten Zahlen der Defensive sind besorgniserregend: 113 Gegentore musste Tango offiziell hinnehmen (ohne das strafverifizierte Spiel wären es sogar 125 gewesen). Fünfmal kassierte man zehn oder mehr Treffer in einer Partie – eine Bilanz, die eigentlich nicht bundesligatauglich ist. Zudem fehlt der „12. Mann“: Mit nur 55 Zuschauern im Schnitt herrscht bei den Heimspielen von Tango eher Friedhofsruhe statt Hexenkessel-Atmosphäre. Die Mannschaft muss ihre Motivation also rein aus sich selbst schöpfen.
Fazit: Der Joker muss stechen
In der Relegation werden die Karten neu gemischt. Das Team von Tango ist individuell besser besetzt, als es der Tabellenplatz vermuten lässt – vor allem nach den namhaften Winter-Verpflichtungen. Doch der „Joker“, den man durch den Fehler von Podrinje geschenkt bekommen hat, verpufft sofort, wenn die Defensive nicht endlich stabilisiert wird. Findet Tango die Balance zwischen ihrer neuen Offensiv-Power und defensiver Disziplin, ist der Klassenerhalt absolut machbar. Wenn nicht, droht der (erneute) bittere Gang in die Zweitklassigkeit.


