FC Seestadt: Wiens Torfabrik greift nach dem Oberhaus
Die Ausgangslage: Eine Offensive ohne Gnade
Wenn man über den FC Seestadt spricht, kommt man an einer imposanten Statistik nicht vorbei: 134 Tore in nur 12 Spielen. Die Wiener haben in dieser Saison mehr Treffer erzielt als jedes andere Team in ganz Österreich. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass die Leistungsdichte in der Gruppe A überschaubar war, ist diese Bilanz schlichtweg furchteinflößend. Mit nur einer einzigen Saisonniederlage (gegen den Hauptkonkurrenten Inter Klessheim) im Gepäck marschierten die Seestädter souverän durch die Liga und stehen nun völlig verdient in den Aufstiegsplayoffs.
Die Schlüsselspieler: Das Duo der Superlative
Zwei Akteure haben die Liga in dieser Spielzeit fast im Alleingang zerlegt:
- Mehran Beyigi: Er ist der Garant für die Konstanz. Mit 24 Treffern war er der Hauptakteur des Erfolgs und traf in elf von zwölf Partien. Sein persönliches Highlight? Ein unfassbarer 5-Tore-Auftritt gegen Untersiebenbrunn.
- Komel Alizadeh: Der Sensationstransfer des Winters schlug ein wie eine Bombe. Der ehemalige Stella-Rossa-Leistungsträger debütierte im Jänner und erzielte in nur fünf Einsätzen unglaubliche 20 Tore. Mit diesem Schnitt ist er wohl der gefährlichste Spieler, den die 2. Liga je gesehen hat. (Best of Komal Alizadeh Video)
Stärken: Torgefahr aus allen Lagen
Die „Seestadt-Power“ ist für die Gegner kaum zu bändigen. Abgesehen von einem strafverifizierten Auftaktspiel erzielten die Wiener in jeder einzelnen Partie mindestens fünf Tore. Selbst in den engen Entscheidungsspielen gegen Klessheim schraubte man das Konto zweistellig nach oben. Die Last des Toreschießens verteilt sich zudem auf viele Schultern: Mit Beyigi, Khodadadzada, Mohammadi, Alizadeh und Zeeyaie trafen gleich fünf Spieler zweistellig.
Schwächen: Die offene Tür in der Rückwärtsbewegung
So spektakulär es vorne zugeht, so luftig präsentiert sich Seestadt in der Defensive. Trotz der oft unterlegenen Gegner kassierte man regelmäßig eine Vielzahl an Gegentoren – insgesamt 54 Treffer, was deutlich mehr ist als bei den Verfolgern aus Klessheim oder Innsbruck. Sechs Gegentore gegen Mahdi oder sieben gegen Mrija zeigen: Wenn der Gegner schnell umschaltet, gerät das afghanisch-geprägte Team defensiv oft ins Schwimmen. In der Relegation gegen Bundesliga-Kaliber könnte diese Lücke zum Verhängnis werden.
Fazit: Historische Chance für die Seestadt
Alles ist bereit für einen Meilenstein: Der FC Seestadt könnte die erste Mannschaft mit afghanischem Hintergrund in der österreichischen Bundesliga werden. Die Vereinsführung hat im Winter nichts dem Zufall überlassen und mit Alizadeh, Aminpur (beide Stella Rossa) und Krivaqa (Tango) geballte Bundesliga-Erfahrung in den Kader geholt. Dieser „letzte Push“ hat das Team bereits zum Gruppensieg geführt. Wenn die Offensive weiter zündet und die Defensive in der Crunchtime stabiler steht, führt der Weg zum Aufstieg nur über die Seestadt.


