Die letzten 12 – Das Nationalteam und seine rot-weiß-rote Kadermisere

Stell dir vor es ist Länderspiel… und keiner fährt hin.

Der ÖFB entschied sich 2019, eine Futsal-Nationalmannschaft ins Leben zu rufen. Damals war man einer der letzten europäischen Verbände, die diesen Schritt wagten. Im allerersten Länderspiel forderte man im Bruderduell Deutschland, am historischen 12. April 2019 trotzte die ÖFB-Fünf dem nördlichen Nachbarn ein 2:2 ab. Torschützen damals: Adilaid Dizdarevic und Alen Muharemovic. Nun, fast genau sechs Jahre später fehlen die beiden Spieler im Aufgebot.

Vom damaligen Kader sind überhaupt nur noch drei Spieler dabei: Rekordnationalspieler Sinan Bicer, der inzwischen in der 2. Liga beim FC Innsbruck spielt. Dann noch der damals erst 19jährige Manuel Gager, der inzwischen bei 22 Länderspielen steht. Und Kapitän Vahid Muharemovic, der zuletzt bei der Niederlage in Tschechien gelbgesperrt gefehlt hat.

Für das Rückspiel, das erstmalig in Graz ausgetragen wird, hat Teamchef Patrik Barbic nur 12 von 14 Spielern nominiert. Bereits in Tschechien fiel die österreichische Bank vor allem durch Abwesenheit ihrer Spieler auf. Doch wie kommt das?

Der ewige Kampf: Fußball vs. Futsal

Auf der Torhüterposition zeigt sich, was seit jeher die Entwicklung des österreichischen Futsals bremst. Geht die Fußballsaison los, spielt der Futsal nur noch zweite Geige. ÖFB-Futsal-Stammkeeper Mathias Sadilek hat sich bei seinem Fußballverein Wiener Viktoria das Stammleiberl erkämpft und soll am Samstag in Leobendorf wichtige Punkte für den Klassenerhalt retten. Dominik Hemmelmayer, jetzt erst gefeierter Held seines neuen Klubs Ljuti Krajisnici im Play-Off gegen Futsal Klagenfurt, darf am Samstag in Ybbs ran, um der Fußballsektion von Fortuna Wiener Neustadt die Tabellenführung zu erhalten.

Bleibt Debütant Youssef Helal, der bislang 6x ins Nationalteam eingerückt ist, aber noch nie zum Einsatz kam. Erstmals einberufen wurde dazu Keeper Wilco Suter, seines Zeichens Stammkeeper beim Schweizer Tabellenvierten FC Wil 1900 und aktuell zumindest noch aktiv im Meisterschaftsbetrieb. Nicht einberufen wurde hingegen der junge Grazer Keeper Nicolas Kreuter, der als einziger Steirer im Team vielleicht noch den einen oder anderen Fan angelockt hätte. Im Lager des ÖFB-Trainerstabs hofft man aber wohl noch darauf, dass Sadilek und/oder Hemmelmeyer doch noch zur Verfügung stehen am Samstag gegen die Tschechen.

Denn die Liste der abwesenden Spieler liest sich wie das Who-ist-Who des Österreichischen Futsals:

Team-Rekordtorschütze Marco Meitz fehlt verletzungsbedingt. Leider auch sein Fortuna-Mitspieler Mathias Binder, der ebenfalls im Fußball gegen Ybbs ranmuss. Was dazu führt, das erstmals in der Geschichte des österreichischen Futsals kein Fortuna-Spieler im ÖFB-Kader aufscheint. Einst stellten die Fortunen das Gros des Nationalteams – seit der Übernahme der Fußballsektion im eigenen Haus scheint auch hier die Euphorie um den Futsal enden wollend. Dazu fehlt mit Gustavo Steinwandter der einzige Profi im Kader wohl verletzungsbedingt (er schied bereits in Tschechien aufgrund von einer Blessur aus). Und von Stella Rossa zusätzlich nicht dabei ist der gelbgesperrte Fatlum Kreka. Ein Glück, dass die TWL Elektra, wo ein Großteil der Stella-Futsaler am Rasen kicken, bereits am Freitag im Einsatz ist. Dass Nationalspieler eventuell einen Tag vor einem wichtigen Länderspiel im Fußballverein tätig sind, gibt es so wohl auch nur in Österreich.

Quo vadis Diamant Linz?

Der österreichische Meister spielt unbestritten den besten Futsal im Lande. Allerdings glänzen die wenigen österreichischen Spieler in der Historie des Liga-Dominators seit jeher eher mit Abwesenheit. Einzig der erst im Winter aus der 2. Liga von Wels zurück nach Linz gewechselte Hasib Seperovic findet sich als Debütant im Kader. Edwin Skrgic soll direkt nach dem Serbien-Match seinen Rücktritt vom Team bekannt gegeben haben – mit 29 Jahren ein sportlich doch schwer nachvollziehbarer Schritt. Schade auch, dass Demir Murtic, einer der talentiertesten Spieler mit österreichischem Pass in der Liga, anscheinend aufgrund der Stammvereinsregelung keinen Platz findet im Team. Insgesamt stellten die Diamantenen in ihrer Geschichte erst 4 österreichische Nationalspieler ab – eindeutig zu wenig für einen österreichischen Verein mit gehobenen Ambitionen.

Die Legionärsliga

Während man vielerorts hört, dass die österreichische Liga an Niveau gewonnen hat, so geht das, so traurig das auch ist, einher mit der Tatsache, dass immer weniger Österreicher in der ersten Liga zum Einsatz kommen. Während Stella Rossa bereits seit längerer Zeit auf rot-weiß-rote Kräfte setzt, bemüht sich der FC Ljuti Krajisnici zumindest seit kurzem, ebenfalls mehr Österreicher in den Matchkader zu bringen. So stehen mit Mirza Jatic, Karim Sallam und Kenan Sejdic immerhin drei Ljuti-Österreicher im Team, während allerdings Amel Beglerovic und Saldin Pezic, obgleich bereits mit Länderspielerfahrung, nicht im Kader aufscheinen. Wo auch Kenan Salo, immerhin Kapitän von Ljuti und mit rot-weiß-rotem Pass ausgestattet, bislang gänzlich fehlte.

So weit so schlecht. Von den fünf Teams, die im Saisonverlauf im Schnitt mehr als 50% Österreicher zum Einsatz brachten, waren vier im unteren Play-Off im Einsatz. Während Dynamo Triestingtal und Inter Klessheim sportlich den Abstieg hinnehmen mussten, gibt es für die neue Saison bereits Gerüchte, dass sowohl die Pharaohs FSC als auch Fortuna Wiener Neustadt über eine Auflösung der Futsalsektion nachdenken. Was einem weiteren Supergau für das Nationalteam gleichkäme, und die Anzahl der Austro-Futsaler zusätzlich immens drücken würde.

Fast ganz auf Österreicher verzichten die Kärntner Teams aus Villach und Futsal Klagenfurt, die ebenso wie PFC Liberta Legion und der SFK Libero Graz fast nie mehr als zwei Österreicher am Spielbericht stehen haben – wobei auch hier meistens dazu noch das Stammvereinshakerl fehlt.

Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem AFC Graz, der nur mit einem einzigen (!) Österreicher durch die Zweitliga-Meister-Saison ging, und dem 1. FSV Wels (25% Österreicher im Team) zwei Mannschaften in die 1. ÖFL aufrücken, die den Aufstieg sportlich mehr als verdient haben, aber die aktuelle Kadermisere des ÖFB-Teams verschärfen könnten.

Fazit

Dem österreichischen Futsal stehen unruhige Zeiten bevor. Will man die angesprochenen Probleme in den Griff bekommen, so sind wohl einige Reformen notwendig. Denn was hilft einem eine Bundesliga, wenn diese keine Spieler für die Nationalmannschaft produziert? Diese Frage müssen sich sowohl Vereine wie auch der ÖFB stellen. Denn obwohl das Nationalteam unter widrigen Umständen agiert, hat es bislang noch selten enttäuscht – und soll auch in Zukunft vor allem sportlich als Aushängeschild der Liga für Furore sorgen.

Nationalteamabstellungen nach Verein (nach 38 Länderspielen):

Verein

Spieleranzahl insgesamt

Aktueller Teamkader

Spiele insgesamt

Stella Rossa

13

4

199

Fortuna Wiener Neustadt

7

 

124

FC Diamant Linz

4

1

35

FC Ljuti Krajisnici

4

3

20

Legionäre

3

1

46

Futsal Klagenfurt

3

1

32

Murexin Allstars Wr Neustadt

3

 

18

Futsal Club Komusina

2

 

25

Pharaohs FSC

2

 

9

SFK Libero Graz

1

 

10

Vienna Walzer

1

 

6

Carinthia Flamengo

1

1

6

Futsal Club Innsbruck

1

1

2

PFC Liberta Legion

1

 

2

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